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#18 Joachim Bosse, Gründer von DOJO Berlin

Die Berliner Agentur DOJO, das Enfant Terrible der deutschen Werbeszene, versteht sich als Antithese zur klassischen Werbeagentur - Es soll Leute geben, die das Auftreten von Dojo als arrogant oder überheblich empfinden, damit macht man es sich allerdings zu einfach. Ihr Schaffen basiert vielmehr auf einer Philosophie, die vor allem das Verhältnis zwischen Kunde und Agentur in ihrem bisherigen Dasein in Frage stellt. Wir haben den Mitgründer Joachim Bosse in der Heilig-Kreuz-Kirche in Berlin Kreuzberg getroffen - Dort, direkt in der Kirche befindet sich nämlich die Agentur. Dass mitten im Interview die Glocken läuten, gehört dann eben auch dazu. Alles ein bisschen anders bei Dojo - oder sind es alle anderen, die anders sind? Die Antwort auf diese und andere Fragen gibts jetzt.

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Rebel with a cause

Joachim Bosse und sein Partner Dominic Czaja, die mit den gängigen Klischees des Werbers nicht viel anfangen können, wollen nicht kreativste Agentur des Landes sein, sondern die konsequenteste. Es geht auch nicht darum, die größte Agentur zu werden, sondern den größten Einfluss auf Popkultur zu haben: “Wenn wir jemanden schon mit Werbung nerven, dann sollte die doch so gut sein, dass sie auch Spaß macht!” Mit Zahlen und Daten fängt Dojo wenig an, es geht primär darum, die Menschen inhaltlich einzuladen, schließlich sind die “Push-Zeiten” der Werbung längst vorbei.

“Wir wollen euer Geld – aber nicht um jeden Preis”

So der Titel des Handbuchs, das jeder Kunde vor der Zusammenarbeit ausgehändigt bekommt. Denn im Mittelpunkt jeder Zusammenarbeit steht der “Human Fit”. Das ist für Bosse die Grundlage für ein hochqualitatives Leistungsversprechen – der Brand Fit muss sich in dem Fall zunächst hinten anstellen.

Dojo steht für einen sehr speziellen Stil, das ist den Kunden (u.a. Edeka, Opel, Easyjet, Deezer) im Vorfeld bewusst und natürlich auch Beweggrund für die Zusammenarbeit.
Kommunikation könne nur so gut sein wie der Kunde, anhand der “Inländer raus” Kampagne für Easyjet erklärt Bosse, wie wichtig es ist, Haltung zu zeigen.

“Die Mittelmäßigkeit der anderen ist unser bester Freund”

Das Hinterfragen tradierter Arbeitsprozesse ist seit dem Praktikum in Unizeiten zu einem zentralen Element der Dojo-Philosophie geworden. Einen “Show-off der Absurditäten” (Schausitzen oder die Challenge um den längeren Arbeitstag), lehnen sie ab – Erfahrungen, die die beiden Gründer jeden Tag antreibt, in ihrem Unternehmen vieles anders zu machen.
Generell finden die Gründer in der Berliner Werbeszene laut eigenen Angaben nur bedingt statt, vor allem anfangs hat man sich nicht als Teil des Systems verstanden. Dass Awards für Kreative aus den eigenen Reihen wichtig sind, lässt die Gründer dieses Verständnis derzeit allerdings überdenken, denn: “Man muss das System neu denken, nicht ablehnen.”



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